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Schule Rapperswil-JonaSt. Gallerstrasse 40
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Inhalt

Individuelles Weichenstellen - Das Werkjahr im Oberstufenschulhaus Weiden

21. Januar 2019

Seit einem halben Jahr befindet sich das Werkjahr neu an der Oberstufe Weiden. Trotz teils vorab diffusen Befürchtungen: Die Integration erfolgte ruhig.

Ein Augenschein vor Ort.

Montagmorgen, kurz vor acht im Altbau der Oberstufe Weiden. Das Zimmer der Kleinklassenlehrerin Nicole Bollhalder steht offen, 12 Schülerinnen und Schüler sind konzentriert am Arbeiten. Entweder allein oder zu zweit wird still an Biologie, Geographie, Deutsch oder Mathematik gearbeitet. Auffällig als erstes die gelben Namenstafeln, die am Pult von jedem Schüler kleben. Sie sind magnetisch und können leicht auch an die Wandtafel wandern. Dann ist besondere Aufmerksamkeit geboten: Der Schüler muss sich besonders anstrengen, sonst erreicht er allenfalls sein Wochenziel nicht.

Und das lohnt sich. Verlief die Schulwoche gut, gibt es einen grünen Balken. Und hat somit gute Chancen bei der Belohnung dabei zu sein. Diese Woche steht ein Ausflug aufs Eisfeld und im Anschluss eine Verpflegung im gelben M auf dem Plan. Jene, die das Ziel nicht erreichen, bleiben im Schulhaus und arbeiten weiter am Stoff. Die Lehrerin Nicole Bollhalder präzisiert: „Die Belohnung gibt es alle vier Wochen, wenn der Schüler, die Schülerin weniger als drei Einträge hatte. Heute ist die Überraschung ein Ausflug im Fach Sport, die Verpflegung zahlen die Schüler aus ihrem eigenen Sack.“

Die Schülerinnen und Schüler der 3. Oberstufe im Werkjahr kommen alle aus Rapperswil-Jona. Vorher besuchten sie entweder die Kleinklasse im Schulhaus Rain oder Kreuzstrasse. Der Wechsel nun ins dritte Jahr der Oberstufe, ins Werkjahr, mache Sinn, findet Nicole Bollhalder, die seit 14 Jahren auf dieser Stufe unterrichtet: „Dieses 9. Schuljahr ist quasi der letzte Boxenstopp. Es geht um die Berufswahl und Lehrstellensuche, die sehr sorgfältig begleitet wird. Gleichzeitig wird nochmals der Schulstoff repetiert, und zwar seit der 5. Klasse.“

Tatsächlich. Yanneck, der bereits eine Lehrstelle als Koch bei einer Bäckerei in Wattwil gefunden hat, erklärt sein Lernjournal. In seinem Tempo und in Eigenverantwortung erarbeitet er den Schulstoff, löst individuell den Schlusstest. Das Ziel ist, überall eine 5, oder zumindest eine 4.5 zu erreichen. Besonders anspruchsvoll werde es bei den hinteren Seiten, wo Kompetenzen rund um seinen zukünftigen Beruf vorbereitet werden. Zum Bespiel Ziel 3.2: „Küchenangestellte sind fähig, den Aufbau und die Zusammensetzung von einfachen Fleischgerichten und von Fonds zu erklären, sowie deren Zubereitung wie auch Präsentation fachgerecht vorzunehmen.“ Um für die Arbeit in der Küche fit zu werden, darf Yanneck nun jede, und nicht alle 14 Tage, das Fach Hauswirtschaft besuchen. Das motiviert, vielleicht auch für das Schliessen der noch bestehenden schulischen Lücken. Yanneck: „Es ist nicht peinlich, dass mir der Schulstoff teilweise aus der 5. Klasse fehlt. Allen hier geht es so. Jeder hat seine Schwierigkeiten. Doch wir sind dran.“

Es ist eindrücklich, wie ruhig und zielgerichtet die Schülerinnen und Schüler arbeiten. Ohne grosses Aufheben wird sogar im Kopierraum nebenan der nächste Arbeitsplan kopiert – und dann weitergearbeitet. Doch diese Arbeitsweise musste zuerst angeleitet und geübt werden. Wenn ein Schüler laut oder unbeherrscht werde, gehe er in den Nebenraum und beruhige sich dort, erklärt die Lehrerin Nicole Bollhalder: „Dort schreibt er auf, was passiert ist. Und dann besprechen wir das weitere Vorgehen. Auch Strategien, damit es das nächste Mal nicht dazu kommt.“ Die strenge Führung lohne sich. So können die Schülerinnen und Schüler auch in einem ruhigen Klima arbeiten.

Diese konzentrierte Arbeitsatmosphäre hänge stark von einer niedrigen Schülerzahl ab, so sei es möglich, nah beim Schüler und seinen individuellen Schwerpunkten zu arbeiten.

Mit Erfolg: Nach Ende vom 1. Semester hat die Hälfte der 12 Schüler eine Lehrstelle. Die anderen arbeiten und bemühen sich weiter. Schritt für Schritt – und konzentriert.

 

Daniela Huwyler

Lehrperson bespricht Aufgaben mit Schülern